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Sarek 2000

Reisebericht aus Nordschweden, 08. - 25. August 2000
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Bilder aus dem Urlaub können Sie in diesem Auszug aus meinem Photoalbum sehen.
Kartenmaterial folgt bei Verfügbarkeit.
Nach der Reise sind mir einige Tips eingefallen, die anderen Reisenden dort vielleicht von Nutzen sein können.

Clausthal, 06.08.2000, 1230 MET DST

Sachen packen -- Wie soll das alles in einen Rucksack passen?
Alles wasserdicht verpackt in Plastiktüten.

Clausthal, 07.08.2000, 1252 MET DST

Heute geht es los! Heute nach Hamburg, morgen nach Schweden, übermorgen in den Sarek.

Im Zug zwischen Bollnäs und Ljusdal, 08.08.2000, 2344 MET DST

Die Fahrt bisher problemlos, nur 14 Stunden im Bus Hamburg -> Stockholm waren sehr unbequem. Der Zug nach Boden jetzt (von dort dann weiter nach Murjek mit Umsteigen) ist besser, schlafen kann ich aber trotzdem nicht, im Gegensatz zu Miriam, die sich auf dem Sitz eingerollt hat und seit kurz hinter Stockholm schläft.
Ich schätze, ich werde gleich den Speisewagen erkunden, der ist gleich nebenan, wie praktisch. Immerhin kann ich hier, die Schuhe ausgezogen, die Füße hochlegen -- aber diese Langeweile!
Um 1115 sollen wir in Boden ankommen, von dort aus weiter mit dem Bus nach Kvikkjokk. Dort verläuft der Kungsleden, der uns in Richtung Norden zum Weg in den Sarek führen wird.

Nachtrag: Es gibt nichts mehr zu essen.

Unterwegs, 10.08.2000, 1100 MET DST

Wir sind vom Kungsleden abgebogen Richtung Pårek, nach etwas Umherirren die richtige Abzweigung gefunden, sogar ausgeschildert. Nach einem längeren Sumpfgebiet dann in einem Wald links des Wegs ein idealer Zeltplatz, wo wir das Lager gerade rechtzeitig aufschlugen, bevor es anfing zu regnen. Zum Abendessen: Krabbencremesuppe aus der Tüte und Knäckebrot. Gut geschlafen, an beiden Hacken je eine kleine Blase, die aber über Nacht wieder verschwand.
Kurz nach neun Uhr wieder aufgestanden, heute ist es deutlich windiger als gestern, aber blauer Himmel und Sonnenschein. Frühstück ist jetzt erledigt, die Rucksäcke sind gepackt, nur ein Zelteingang ist defekt: Der Reißverschluß ist gerissen, was Miriam gerade repariert.
Ziel für heute ist ungefähr die Querung des Säkokjåkkå -- Das Gelände dort wird aber wohl deutlich steiler als der Weg gestern. Mücken gibt es hier übrigens in Massen, mir wächst ein Bart. Laufzeit gestern (nach der Anreise über Nacht aus Stockholm über Murjek) war 3h21m.

Unterwegs, 11.08.2000, 0900 MET DST

Gestern die erste Flußquerung zu Fuß durch Waten, aber vorher, noch am Vormittag, rechts des Weges ein See, eine kleine Bucht, eine ebene Fläche, und ich konnte es tatsächlich wagen, baden zu gehen.
-- Momentan koche ich uns das Brei-Frühstück --
Dann gestern einige größere Sumpfflächen zu durchqueren, die aber eigentlich immer gut beplankt waren. Schließlich auch gestern die Grenze zum Sarek, durch eine Tafel gekennzeichnet.
Mittlerweile haben wir die Sümpfe durchquert und sind am Hang des Parektjåkkå, Pårek haben wir passiert, ohne es zu bemerken, doch von hier aus sieht man eine Hütte im Süden, die vermutlich dazugehört. Vorsicht: Hier oben kann man in Wespennester treten, die Bewohner sind dann sehr aggressiv.
Heute steht (ganz grob) die Überquerung des Säkokjåkkå auf dem Programm. Wenn wir die Strecke bis zum nächsten Unterstand ("Renvaktarstuga") schaffen, sind wir zufrieden.
Laufzeit gestern: 8h03m.
Das Wetter sieht jetzt ganz schön aus, nur wenig Wind, sehr hohe, dünne Wolken, durch die hindurch die Sonne scheint. Wenn es so bleibt, ist das in Ordnung.

Unterwegs, 11.08.2000, 1243 MET DST

Der Säkokjåkkå ist zugeschneit und scheint hier am Weg eigentlich aus zwei Flußläufen zu bestehen. Seine Querung war unproblematisch, jetzt sitzen wir gerade auf der anderen Seite. Miriam ist in ein Sumpfloch getreten und wechselt Socken, außerdem hatten wir hier unser Mittagessen: Einen halben Müsliriegel für jeden und eine halbe Scheibe Knäckebrot. Die warmen Mahlzeiten sind Frühstück und Abendbrot, beide zum Windschutz im Zelt zubereitet.
Ich sitze in der Sonne, lasse den Rücken trocknen. An einem Stein hier meine ich, diese Drosera mit den langen Blättern gefunden zu haben, etwas trocken zwar, aber grün-rot und mit Haaren.

Unterwegs, 12.08.2000, 0944 MET DST

Gestern vom Weg abgekommen, noch nicht wiedergefunden. Gebirgskletterei, Sümpfe zu durchwaten, in einem solchen auch gelagert. Plan: Abwärts ins Bett des Njåtosjåkkå, dann dort die Hütte finden, die gestern das Ziel sein sollte und damit den Weg.
Sonnenschein, doch sehr windig, sind ~1000m hoch. Gelaufene Zeit gestern: 9h09m. Stehen seit gestern mit dem Wecker um 0800 auf.

Njåtosstugan, 13.08.2000, 0728 MET DST

Den Weg haben wir wiedergefunden, zusammen mit der ersten Hütte, sind dann noch bis zu dieser hier weitergewandert (eine relativ schwierige Flußquerung und Sümpfe) und fanden diese Hütte offen für die Allgemeinheit vor, sogar mit Liegen, Büchern, Klappspaten, Sägen und einem verrosteten Ofen. Die restlichen Hütten auf unserem Weg sind private Unterkünfte für die Rentierhirten und nicht für Wanderer verwendbar, außer als Wegmarkierung.
Da wir Sorge hatten, daß die Zeit nicht mehr reicht nach unserer Verirrung gestern und vorgestern, heute schon um 0700 Aufstehen, Frühstück und demnächst Loswandern. Das Frühstück ist jetzt fertig.
Kalt, bewölkter Himmel, aber trocken.
Wanderzeit gestern: 9h18m.

Nachtrag: Wir müssen heute bis Skiejakjavrasj und Tjågnårisjavrasj kommen, oder aufgeben.

Nachtrag: Die Hütte hat (etwas nordwestlich) sogar ein Plumpsklo -- Welch Komfort!

Am Alep Njåtosjaure, 13.08.2000, 2022 MET DST

Unterwegs von der Hütte den Weg wieder verloren, zu hoch gestiegen, so daß wir schließlich einen steilen Abstieg zur Querung des Luottojåkkå nehmen mußten. Unten an den Resten einer Brücke über den reißenden Strom angekommen, suchten wir zunächst nord- und bergwärts vergeblich nach einem Übergang, kamen dann zurück und trafen auf ein polnisches Paar auf Hochzeitsreise, das über dem Skiejakjavrasj nach Südwesten durch das Tal abknicken und zum Padjelantaleden gehen wollte und von dort nach Kvikkjokk zurück. Ihnen haben wir uns angeschlossen und mit ihnen werden wir zunächst bis Taraluoppastugorna wandern. Damit haben wir eine Chance, den Rückweg in der Zeit zu schaffen, um den Bus Stockholm-Hamburg zu erreichen und konnten so das Umkehren vermeiden.
Jetzt lagern wir auf einer Halbinsel am o.g. See, es ist bewölkt und leicht windig, aber trocken. Auf der Wanderung heute (9h30m) war es meistens sonnig, doch wehte ein kalter Wind.
Übermorgen werden wir den Padjelantaleden erreicht haben! Morgen werden wir die Nacht wohl in dem Tal ohne Weg verbringen, das uns dorthin führen soll.

Nachtrag: Der Luottojåkkå ließ sich flußabwärts an einer Stelle, wo er von zwei Inseln geteilt wird, überqueren, wenn auch nicht einfach und risikolos.

Unterwegs, 14.08.2000, 1413 MET DST

Abkürzung mehr als zur Hälfte gegangen, Regen seit heute morgen. Füße trocken nach Flußquerung, zu naß zum Schreiben. Werden Hütte noch heute erreichen.

Vor Taraluoppastugorna, 15.08.2000, 0900 MET DST

Gestern im Regen weiter im Tal entlangmarschiert, bis die Hütte in Sicht kam: Drei blaue Häuschen, ein paar anderen Gebäude. Der Weg bis hier dann auch relativ einfach: Keine größeren Flüsse mehr zu queren, nur einige Sümpfe zu durch- oder umgehen.
-- Heißer Tee ist eine wunderbare Sache nach dem Frühstück, wenn draußen der Wind pfeift --
Ich schätze, heute werden wir an der Schutzhütte nördlich Såmmarlapasstugan lagern, auf dem Padjelantaleden sollte die Entfernung schaffbar sein.
Draußen hängen die Wolken tief, sind dunkelgrau und werden von einem heftigen, kalten Wind bewegt. Gerade jetzt fängt es wieder an zu regnen. Werden wohl noch etwas im Zelt bleiben und Trockenheit abwarten.

Nachtrag, 1121 MET DST

Noch immer im Zelt. Draußen abwechselnd Sturm ohne Regen und starker Sturm mit Regen. Das Zelt ächzt, aber hält stand.
Wanderzeit gestern: 7h34m.
Durch die Abkürzung hier werden wir nun nicht zu spät in Stockholm ankommen, sondern haben noch etwa drei Tage zusätzlich zu verplanen. In die Überlegungen einbezogen werden Kvikkjokk, Jokkmokk und Kiruna.

Nachtrag, 1341 MET DST

Aufbruch! Kalter Wind, bedeckt, aber trocken.

Am Padjelantaleden, 16.08.2000, 0931 MET DST

Gestern im kalten Wetter nur 5h gelaufen, an der ersten Brücke dann an einem geschützten Platz das Zelt aufgeschlagen.
Der Weg ist extrem komfortabel verglichen mit dem Sarek, was ja zu erwarten war. Kamen mir am Anfang der Tour Planken über Sümpfe wie Balancierübungen vor, so sind sie jetzt der luxuriöse Garant für trockene Füße.
Draußen ist es grau, aber nicht mehr so windig und nicht mehr ganz so bedrohlich dunkel. Ziel für heute ist die übernächste Hütte, Tarrekaisestugan, oder, wenn wir schnell sind, der Opferplatz dahinter. Auf jeden Fall werden wir morgen den Bootsanleger nach Kvikkjokk erreichen.

Am Padjelantaleden, 17.08.2000, 1146 MET DST

Laufzeit gestern: 7h57m.
Lager dann etwa zwei Kilometer hinter Tarrekaisestugan, fast direkt am Tarraure. Die Wanderung gestern führte durch reichlich Sümpfe mit noch reichlicheren Multebeerensträuchern -- erst sammelten wir nur mit der Hand in den Mund, dann füllten wir einen der Kochtöpfe damit und kochten uns abends daraus Brei mit Haferflocken, der dann noch bis zum Frühstück reichte. Überhaupt das Essen! Wir können jetzt aus dem vollen schöpfen, da wir ja einige Tage früher in der Zivilisation zurück sein werden als geplant.
Der Weitermarsch heute und damit das Erreichen des Bootes gestaltet sich dennoch schwierig: Es regnet seit heute Nacht heftig und praktisch ohne Pause, so daß an ein Weitergehen momentan nicht zu denken ist. Von hier aus sollte der Weg bis dort wohl an einem Tag zu schaffen sein, aber einen ganzen Tag haben wir jetzt nicht mehr. Wir werden sehen.
Der Padjelantaleden ist hier nur stellenweise so bequem: Neben den überplankten Sümpfen auch Wege über steinige Bachläufe, Morast im Wald und überhaupt Klettertouren über Felsbrocken im Weg. Meine Fuß- und Kniegelenke machen mir dabei zu schaffen, im Sarek war der Weg, was das betrifft, angenehmer. Hier natürlich kein Problem, den Weg zu finden, ausgetreten, markiert und gelegentlich sogar mit Kilometerangaben beschildert -- touristenfreundlich eben.
Ich hoffe, wir können wenigstens heute nachmittag noch weitergehen.

Jokkmokk, 18.08.2000, 2309 MET DST

Die Tour ist zuende, wir sind im Wandererheim in Jokkmokk angekommen.
Gestern in einem Gewaltmarsch von 20km in 6h54m im Regen bis 2230 MET DST bis zum Bootsanleger am Padjelantaleden Richtung Kvikkjokk gewandert, heute um 1000 dann per Boot nach dort und um 1230 per Bus in 1h30m nach hier. Hier immer noch Regen, aber eine heiße Dusche und ein Zimmer zusammen mit zwei anderen ganz netten Deutschen.
Die Herberge hier überhaupt ganz bequem -- eine Küche und zwei Bäder, davon eines sehr geräumig (weil behindertengerecht) -- so gibt es etwas Erholung nach den Strapazen der letzten Marschtage.
Morgen ist Besichtigung von Jokkmokk angesagt, übermorgen (Sonntag) geht es über Murjek zurück für eine Woche nach Sockholm. Im Moment Kartenschreiben, dann fallen wir in die (endlich mal wieder) weichen Betten.

Murjek, 20.08.2000, 1530 MET DST

Nach einem Tag in Jokkmokk, an dem wir hauptsächlich das Samenmuseum besichtigten, jetzt die Fahrt nach Stockholm. Bis ~1930 haben wir jetzt hier Wartezeit bis der Zug fährt, und hier liegt wirklich der Hund begraben -- schlimmer als in Clausthal.

Nachtrag: Empfehlenswert in Jokkmokk ist "Pizza Lappland" mit Rentierfleisch in der Pizzeria an der Hauptstraße.

Boden, 20.08.2000, 1850 MET DST

Den Zug, den wir eigentlich verwenden wollten, gibt es nicht. Nun fahren wir über Boden, wo wir gerade die vier Stunden, die wir erst in Murjek zu verbringen gedachten, totzuschlagen versuchen. Mehr los als dort ist hier aber auch nicht.

Clausthal, 25.08.2000, 2231 MET DST

Stockholm und die Rückfahrt über Hamburg und Hannover sind auch überstanden, ich sitze wieder an meinem Schreibtisch und habe nun den Reisebericht abgetippt. Beizeiten, wenn ich das Material entsprechend aufbereitet habe, werde ich noch eine Karte mit unserer geplanten und tatsächlichen Wegstrecke hinzufügen und einige Photos veröffentlichen. Jetzt scheint es mir erst einmal angebracht, den Rucksack auszupacken, unter die Dusche zu gehen und dann das endlich richtig bequeme, eigene Bett zu besuchen.

Nun, da Sie die theoretischen Grundlagen kennen, schauen Sie doch einmal in das Photoalbum...
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