Reisebericht aus Nordschweden, 08. - 25. August 2000
Sarek 2001
Sarek 2002
Sarek 2004
Sarek 2007
Bilder aus dem Urlaub können Sie in diesem Auszug aus meinem
Photoalbum sehen.
Kartenmaterial folgt bei Verfügbarkeit.
Nach der Reise sind mir einige Tips
eingefallen, die anderen Reisenden dort vielleicht von Nutzen sein können.
Heute geht es los! Heute nach Hamburg, morgen nach Schweden, übermorgen in den Sarek.
Die Fahrt bisher problemlos, nur 14 Stunden im Bus Hamburg -> Stockholm
waren sehr unbequem. Der Zug nach Boden jetzt (von dort dann weiter nach
Murjek mit Umsteigen) ist besser, schlafen kann ich aber trotzdem nicht, im
Gegensatz zu Miriam, die sich auf dem Sitz eingerollt hat und seit kurz
hinter Stockholm schläft.
Ich schätze, ich werde gleich den Speisewagen erkunden, der ist gleich
nebenan, wie praktisch. Immerhin kann ich hier, die Schuhe ausgezogen, die
Füße hochlegen -- aber diese Langeweile!
Um 1115 sollen wir in Boden ankommen, von dort aus weiter mit dem Bus nach
Kvikkjokk. Dort verläuft der Kungsleden, der uns in Richtung Norden zum Weg
in den Sarek führen wird.
Nachtrag: Es gibt nichts mehr zu essen.
Wir sind vom Kungsleden abgebogen Richtung Pårek, nach etwas Umherirren die
richtige Abzweigung gefunden, sogar ausgeschildert. Nach einem längeren
Sumpfgebiet dann in einem Wald links des Wegs ein idealer Zeltplatz, wo wir
das Lager gerade rechtzeitig aufschlugen, bevor es anfing zu regnen. Zum
Abendessen: Krabbencremesuppe aus der Tüte und Knäckebrot. Gut geschlafen,
an beiden Hacken je eine kleine Blase, die aber über Nacht wieder
verschwand.
Kurz nach neun Uhr wieder aufgestanden, heute ist es deutlich windiger als
gestern, aber blauer Himmel und Sonnenschein. Frühstück ist jetzt erledigt,
die Rucksäcke sind gepackt, nur ein Zelteingang ist defekt: Der
Reißverschluß ist gerissen, was Miriam gerade repariert.
Ziel für heute ist ungefähr die Querung des Säkokjåkkå -- Das Gelände dort
wird aber wohl deutlich steiler als der Weg gestern. Mücken gibt es hier
übrigens in Massen, mir wächst ein Bart. Laufzeit gestern (nach der Anreise
über Nacht aus Stockholm über Murjek) war 3h21m.
Gestern die erste Flußquerung zu Fuß durch Waten, aber vorher, noch am
Vormittag, rechts des Weges ein See, eine kleine Bucht, eine ebene Fläche,
und ich konnte es tatsächlich wagen, baden zu gehen.
-- Momentan koche ich uns das Brei-Frühstück --
Dann gestern einige größere Sumpfflächen zu durchqueren, die aber eigentlich
immer gut beplankt waren. Schließlich auch gestern die Grenze zum Sarek,
durch eine Tafel gekennzeichnet.
Mittlerweile haben wir die Sümpfe durchquert und sind am Hang des
Parektjåkkå, Pårek haben wir passiert, ohne es zu bemerken, doch von hier
aus sieht man eine Hütte im Süden, die vermutlich dazugehört. Vorsicht: Hier
oben kann man in Wespennester treten, die Bewohner sind dann sehr
aggressiv.
Heute steht (ganz grob) die Überquerung des Säkokjåkkå auf dem Programm.
Wenn wir die Strecke bis zum nächsten Unterstand ("Renvaktarstuga")
schaffen, sind wir zufrieden.
Laufzeit gestern: 8h03m.
Das Wetter sieht jetzt ganz schön aus, nur wenig Wind, sehr hohe, dünne
Wolken, durch die hindurch die Sonne scheint. Wenn es so bleibt, ist das in
Ordnung.
Der Säkokjåkkå ist zugeschneit und scheint hier am Weg eigentlich aus zwei
Flußläufen zu bestehen. Seine Querung war unproblematisch, jetzt sitzen wir
gerade auf der anderen Seite. Miriam ist in ein Sumpfloch getreten und
wechselt Socken, außerdem hatten wir hier unser Mittagessen: Einen halben
Müsliriegel für jeden und eine halbe Scheibe Knäckebrot. Die warmen
Mahlzeiten sind Frühstück und Abendbrot, beide zum Windschutz im Zelt
zubereitet.
Ich sitze in der Sonne, lasse den Rücken trocknen. An einem Stein hier meine
ich, diese Drosera mit den langen Blättern gefunden zu haben, etwas trocken
zwar, aber grün-rot und mit Haaren.
Gestern vom Weg abgekommen, noch nicht wiedergefunden. Gebirgskletterei,
Sümpfe zu durchwaten, in einem solchen auch gelagert. Plan: Abwärts ins Bett
des Njåtosjåkkå, dann dort die Hütte finden, die gestern das Ziel sein
sollte und damit den Weg.
Sonnenschein, doch sehr windig, sind ~1000m hoch. Gelaufene Zeit gestern:
9h09m. Stehen seit gestern mit dem Wecker um 0800 auf.
Den Weg haben wir wiedergefunden, zusammen mit der ersten Hütte, sind dann
noch bis zu dieser hier weitergewandert (eine relativ schwierige Flußquerung
und Sümpfe) und fanden diese Hütte offen für die Allgemeinheit vor, sogar
mit Liegen, Büchern, Klappspaten, Sägen und einem verrosteten Ofen. Die
restlichen Hütten auf unserem Weg sind private Unterkünfte für die
Rentierhirten und nicht für Wanderer verwendbar, außer als
Wegmarkierung.
Da wir Sorge hatten, daß die Zeit nicht mehr reicht nach unserer Verirrung
gestern und vorgestern, heute schon um 0700 Aufstehen, Frühstück und
demnächst Loswandern. Das Frühstück ist jetzt fertig.
Kalt, bewölkter Himmel, aber trocken.
Wanderzeit gestern: 9h18m.
Nachtrag: Wir müssen heute bis Skiejakjavrasj und Tjågnårisjavrasj kommen, oder aufgeben.
Nachtrag: Die Hütte hat (etwas nordwestlich) sogar ein Plumpsklo -- Welch Komfort!
Unterwegs von der Hütte den Weg wieder verloren, zu hoch gestiegen, so daß
wir schließlich einen steilen Abstieg zur Querung des Luottojåkkå nehmen
mußten. Unten an den Resten einer Brücke über den reißenden Strom
angekommen, suchten wir zunächst nord- und bergwärts vergeblich nach einem
Übergang, kamen dann zurück und trafen auf ein polnisches Paar auf
Hochzeitsreise, das über dem Skiejakjavrasj nach Südwesten durch das Tal
abknicken und zum Padjelantaleden gehen wollte und von dort nach Kvikkjokk
zurück. Ihnen haben wir uns angeschlossen und mit ihnen werden wir zunächst
bis Taraluoppastugorna wandern. Damit haben wir eine Chance, den Rückweg in
der Zeit zu schaffen, um den Bus Stockholm-Hamburg zu erreichen und konnten
so das Umkehren vermeiden.
Jetzt lagern wir auf einer Halbinsel am o.g. See, es ist bewölkt und leicht
windig, aber trocken. Auf der Wanderung heute (9h30m) war es meistens
sonnig, doch wehte ein kalter Wind.
Übermorgen werden wir den Padjelantaleden erreicht haben! Morgen werden wir
die Nacht wohl in dem Tal ohne Weg verbringen, das uns dorthin führen soll.
Nachtrag: Der Luottojåkkå ließ sich flußabwärts an einer Stelle, wo er von zwei Inseln geteilt wird, überqueren, wenn auch nicht einfach und risikolos.
Abkürzung mehr als zur Hälfte gegangen, Regen seit heute morgen. Füße trocken nach Flußquerung, zu naß zum Schreiben. Werden Hütte noch heute erreichen.
Gestern im Regen weiter im Tal entlangmarschiert, bis die Hütte in Sicht
kam: Drei blaue Häuschen, ein paar anderen Gebäude. Der Weg bis hier dann
auch relativ einfach: Keine größeren Flüsse mehr zu queren, nur einige
Sümpfe zu durch- oder umgehen.
-- Heißer Tee ist eine wunderbare Sache nach dem Frühstück, wenn draußen der
Wind pfeift --
Ich schätze, heute werden wir an der Schutzhütte nördlich Såmmarlapasstugan
lagern, auf dem Padjelantaleden sollte die Entfernung schaffbar sein.
Draußen hängen die Wolken tief, sind dunkelgrau und werden von einem
heftigen, kalten Wind bewegt. Gerade jetzt fängt es wieder an zu regnen.
Werden wohl noch etwas im Zelt bleiben und Trockenheit abwarten.
Noch immer im Zelt. Draußen abwechselnd Sturm ohne Regen und starker Sturm
mit Regen. Das Zelt ächzt, aber hält stand.
Wanderzeit gestern: 7h34m.
Durch die Abkürzung hier werden wir nun nicht zu spät in Stockholm ankommen,
sondern haben noch etwa drei Tage zusätzlich zu verplanen. In die
Überlegungen einbezogen werden Kvikkjokk, Jokkmokk und Kiruna.
Aufbruch! Kalter Wind, bedeckt, aber trocken.
Gestern im kalten Wetter nur 5h gelaufen, an der ersten Brücke dann an einem
geschützten Platz das Zelt aufgeschlagen.
Der Weg ist extrem komfortabel verglichen mit dem Sarek, was ja zu erwarten
war. Kamen mir am Anfang der Tour Planken über Sümpfe wie Balancierübungen
vor, so sind sie jetzt der luxuriöse Garant für trockene Füße.
Draußen ist es grau, aber nicht mehr so windig und nicht mehr ganz so
bedrohlich dunkel. Ziel für heute ist die übernächste Hütte,
Tarrekaisestugan, oder, wenn wir schnell sind, der Opferplatz dahinter. Auf
jeden Fall werden wir morgen den Bootsanleger nach Kvikkjokk erreichen.
Laufzeit gestern: 7h57m.
Lager dann etwa zwei Kilometer hinter Tarrekaisestugan, fast direkt am
Tarraure. Die Wanderung gestern führte durch reichlich Sümpfe mit noch
reichlicheren Multebeerensträuchern -- erst sammelten wir nur mit der Hand
in den Mund, dann füllten wir einen der Kochtöpfe damit und kochten uns
abends daraus Brei mit Haferflocken, der dann noch bis zum Frühstück
reichte. Überhaupt das Essen! Wir können jetzt aus dem vollen schöpfen, da
wir ja einige Tage früher in der Zivilisation zurück sein werden als
geplant.
Der Weitermarsch heute und damit das Erreichen des Bootes gestaltet sich
dennoch schwierig: Es regnet seit heute Nacht heftig und praktisch ohne
Pause, so daß an ein Weitergehen momentan nicht zu denken ist. Von hier aus
sollte der Weg bis dort wohl an einem Tag zu schaffen sein, aber einen
ganzen Tag haben wir jetzt nicht mehr. Wir werden sehen.
Der Padjelantaleden ist hier nur stellenweise so bequem: Neben den
überplankten Sümpfen auch Wege über steinige Bachläufe, Morast im Wald und
überhaupt Klettertouren über Felsbrocken im Weg. Meine Fuß- und Kniegelenke
machen mir dabei zu schaffen, im Sarek war der Weg, was das betrifft,
angenehmer. Hier natürlich kein Problem, den Weg zu finden, ausgetreten,
markiert und gelegentlich sogar mit Kilometerangaben beschildert --
touristenfreundlich eben.
Ich hoffe, wir können wenigstens heute nachmittag noch weitergehen.
Die Tour ist zuende, wir sind im Wandererheim in Jokkmokk angekommen.
Gestern in einem Gewaltmarsch von 20km in 6h54m im Regen bis 2230 MET DST
bis zum Bootsanleger am Padjelantaleden Richtung Kvikkjokk gewandert, heute
um 1000 dann per Boot nach dort und um 1230 per Bus in 1h30m nach hier. Hier
immer noch Regen, aber eine heiße Dusche und ein Zimmer zusammen mit zwei
anderen ganz netten Deutschen.
Die Herberge hier überhaupt ganz bequem -- eine Küche und zwei Bäder, davon
eines sehr geräumig (weil behindertengerecht) -- so gibt es etwas Erholung
nach den Strapazen der letzten Marschtage.
Morgen ist Besichtigung von Jokkmokk angesagt, übermorgen (Sonntag) geht es
über Murjek zurück für eine Woche nach Sockholm. Im Moment Kartenschreiben,
dann fallen wir in die (endlich mal wieder) weichen Betten.
Nach einem Tag in Jokkmokk, an dem wir hauptsächlich das Samenmuseum besichtigten, jetzt die Fahrt nach Stockholm. Bis ~1930 haben wir jetzt hier Wartezeit bis der Zug fährt, und hier liegt wirklich der Hund begraben -- schlimmer als in Clausthal.
Nachtrag: Empfehlenswert in Jokkmokk ist "Pizza Lappland" mit Rentierfleisch in der Pizzeria an der Hauptstraße.
Den Zug, den wir eigentlich verwenden wollten, gibt es nicht. Nun fahren wir über Boden, wo wir gerade die vier Stunden, die wir erst in Murjek zu verbringen gedachten, totzuschlagen versuchen. Mehr los als dort ist hier aber auch nicht.
Stockholm und die Rückfahrt über Hamburg und Hannover sind auch überstanden, ich sitze wieder an meinem Schreibtisch und habe nun den Reisebericht abgetippt. Beizeiten, wenn ich das Material entsprechend aufbereitet habe, werde ich noch eine Karte mit unserer geplanten und tatsächlichen Wegstrecke hinzufügen und einige Photos veröffentlichen. Jetzt scheint es mir erst einmal angebracht, den Rucksack auszupacken, unter die Dusche zu gehen und dann das endlich richtig bequeme, eigene Bett zu besuchen.
Nun, da Sie die theoretischen Grundlagen kennen, schauen Sie doch einmal in das Photoalbum...